Leserfrage: «Meine Stimmung hängt sehr stark vom Wetter ab. Ohne Sonne geht es mir schlecht. Was kann ich tun?»

Sie entschuldigen sich in Ihrem Schreiben mehrfach dafür, dass Sie mit einem so «belanglosen» Anliegen an mich gelangen. Und doch beschäftigt es Sie schon seit Jahren. Wenn die Sonne scheint und der Himmel blau ist, geht es Ihnen automatisch gut. Andere leiden sehr unter Hitzetagen, doch für Sie kann es nicht warm genug sein. Sizilien ist Ihre Traumdestination.

Da wird der Schweizer Winter schon etwas schwieriger für Sie.

Zumindest gibt es aber auch da Tage, an denen die Sonne scheint, und dann geniessen Sie auch den Schnee. Schwieriger sind die Zwischenzeiten. Frühlings- und Herbsttage, wenn die Wolken tief im Tal hängen, haben einen grossen Einfluss auf Sie. Sie sind müde, eher gereizt und empfinden wenig Freude.

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Am schwierigsten sind Tage, an denen Ihre Erwartungen nicht erfüllt sind. Eben gerade im August, wo doch eigentlich die Sonne vom Himmel brennen sollte. Und dann ist es kühl wie im April, es regnet, der Himmel ist verhangen. An solchen Tagen bricht fast eine Welt zusammen. Auch wenn Sie wissen, dass es ja nur das Wetter ist und dass es ein paar Tage später wieder sonnig wird.

Was kann ich Ihnen also raten?

Es gibt die sogenannte saisonale Depression – dabei reagiert die Stimmung sehr stark auf Veränderungen des Sonnenlichts. Hier erleben Betroffene vor allem im Herbst Wochen mit niedergeschlagener Stimmung, Müdigkeit, Antriebs- und Freudlosigkeit. Hilfreich ist eine Therapie mit einem Lichtgerät Winterdepression Licht vertreibt den Winterblues , das mit 10'000 Lux etwas hochsommerliches Sizilien in die spätherbstliche Schweiz bringt.

Die saisonale Depression beschreibt Ihre Situation aber nur ungenügend – was nicht heisst, dass Sie nicht einen Versuch mit Lichttherapie wagen könnten. Ihre Stimmung ist ja das ganze Jahr nicht nur von Licht abhängig, sondern auch von Wärme. Sie erwähnen wiederholt, wie diese kalten, hängenden Wolken Sie beeinflussen.

Wir sind alle unterschiedlich gestrickt, wenn es um unsere Emotionalität geht. Einige von uns bestehen fast nur aus Fels. Unabhängig von der Brandung ist die Emotionalität stets gleich – eben auch dann, wenn Freude oder Trauer zu erwarten wäre. Andere sind stark aussenorientiert und zeigen unterschiedliche Emotionen je nachdem, was um sie herum passiert. Beide Wesenstypen haben Vor- und Nachteile, die meisten unter uns sind eine Mischung von beidem.

An Ihrer Stelle würde ich mich auf drei Sachen konzentrieren:

1. Gehen Sie auf Spurensuche.

Oft ist es hilfreich, etwas biografisch einordnen zu können. Gibt es besonders schöne Kindheitserlebnisse, die an heissen Sommertagen stattfanden? Gab es Schwieriges oder Enttäuschendes, das mit diesen hängenden Wolken verbunden war? Das erlaubt Ihnen vielleicht, den Wolken ein Etikett anzubinden, zum Beispiel im Sinne von: «Ja, das sind genau diese Wolken, die im Tal hingen, als meine liebe Tante starb. Es sind also meine alten Trauerwolken, die sich manchmal wieder zeigen und die ihren Platz haben dürfen.»

2. Gehen Sie auf das Schwierige zu und schaffen Sie neue und ungewohnte Verbindungen.

Schwieriges versuchen wir oft zu vermeiden. Das gibt ihm paradoxerweise aber umso mehr Platz und Gewicht. Es gilt also, das Schwierige mit etwas Neuem, Positivem zu verbinden. Gibt es eine Aktivität, die nur bei schlechtem Wetter möglich ist und die Sie lieben? Oder vielleicht mögen Sie zum Beispiel Sushi. Von nun an gönnen Sie sich eben Sushi immer nur an einem dieser wirklich verhangenen Tage. Oder vielleicht fotografieren Sie gern. Wolken haben etwas sehr Dramatisches. Vielleicht kann das Fotografieren von imposantem Gewölk zu einem neuen Hobby werden, das Sie fasziniert. Und plötzlich schauen Sie sich den Wetterbericht Genaue Wettervorhersagen 6 Meteo-Apps und ihre Vorteile im Vergleich ganz anders an.

3. Seien Sie realistisch in Ihren Erwartungen.

Wir alle haben heute eine hohe Selbstbestimmung, können viel verändern in unserem Leben. Verändern heisst aber bei Persönlichkeitsaspekten in der Regel, dass wir den Kurs in einem einzelnen Bereich um vielleicht 20 Grad ändern können. Wer Sizilien liebt, wird selten zum Grönland-Fan.

Führt Lichtmangel zur Winterdepression?

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Dr. Claudia Twerenbold erklärt, welchen Einfluss Lichtmangel auf unsere Psyche hat.
Quelle: Beobachter Bewegtbild
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